Die Heilung

von Peter Tertinegg

Wenn man mich früher gefragt hätte, mit welcher Vorstellung ich in erster Linie Luxus verbände, so wäre es die eines begehbaren Wandschranks gewesen, eines Schrankes also, in welchen man hineingehen kann.
Das war eben mein Bild von Luxus – ich weiß selbst nicht, warum.
Nun ergab es sich vor ein paar Monaten, dass ein begüterter Freund eine größere Reise antrat und mich bat, in seiner Abwesenheit auf seine Wohnung zu schauen. Und so stand ich denn bald darauf vor dem ersten begehbaren Wandschrank meines Lebens.
Ich öffnete ihn, ging hinein und vorbei an den Hemden, Anzügen, Mänteln und Schuhen. Vor einem großen Wandspiegel am Ende des Ganges blieb ich stehen, besah mich, drehte mich um und ging den ganzen Weg wieder zurück.
Und das hätte ich beinahe alles auch in meinem Badezimmer haben können, nur wäre der Weg zum Spiegel kürzer gewesen.
Seitdem bin ich davon geheilt.

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